Von ET2 und ET4 über LX, Granturismo und GTS bis Primavera, Sprint, 946 und Elettrica.
Die Geschichte der Vespa endet nicht mit Rally, PX, Primavera ET3 oder PK. Zum 50-jährigen Jubiläum der Vespa begann 1996 mit der ET-Generation ein neues Kapitel.
Die moderne Vespa behielt eines ihrer wichtigsten Konstruktionsmerkmale bei: die selbsttragende Karosserie aus Stahl. Unter dem Blech veränderte sich die Technik dagegen grundlegend.
Automatikgetriebe, Viertaktmotoren, elektronische Einspritzung, ABS, Traktionskontrolle, digitale Instrumente, LED-Beleuchtung und schliesslich auch Elektroantrieb hielten Einzug.
Gleichzeitig greift Vespa bis heute immer wieder historische Namen und Designelemente auf. Primavera und Sprint sind dafür die offensichtlichsten Beispiele.
Über Jahrzehnte war die klassische Vespa durch Zweitaktmotor, Handschaltung und den seitlich montierten Motor geprägt. In den 1990er-Jahren stand Piaggio vor der Aufgabe, das historische Konzept an neue Anforderungen anzupassen.
Emissionsvorschriften, Komfortansprüche und ein veränderter Rollermarkt verlangten neue Motoren und Antriebskonzepte.
Anstatt die Vespa vollständig neu zu erfinden, bewahrte Piaggio zentrale Elemente des Konzepts. Besonders wichtig blieb die selbsttragende Stahlkarosserie.
1996, genau 50 Jahre nach der ersten Vespa, begann mit der ET-Baureihe die moderne Vespa-Generation.
Besonders bedeutend war die Vespa ET4 125. Sie kombinierte erstmals bei einer Vespa einen Viertaktmotor mit automatischem Getriebe.
Kurz darauf ergänzte die ET2 50 die neue Familie in der kleineren Hubraumklasse.
Kompakte moderne Vespa für die 50-cm³-Klasse.
Ein wichtiger Schritt hin zur modernen Viertakt-Automatik-Vespa.
Die ET-Baureihe war damit mehr als ein neues Design. Sie legte die technische Grundlage für die Vespa-Generationen der folgenden Jahrzehnte.
Mit der Vespa LX wurde die Linie der kompakten modernen Vespa weiterentwickelt. Der Name „LX“ verweist auf die römische Zahl 60 und damit auf das 60-jährige Vespa-Jubiläum.
Die LX verband klassische Vespa-Proportionen mit moderner Automatiktechnik und wurde in verschiedenen Hubraum- und Motorvarianten angeboten.
Charakteristisch blieben die Stahlkarosserie, das kompakte Format und die deutlich an historische Vespa erinnernde Formensprache.
Anfang der 2000er-Jahre erschien mit der Vespa Granturismo eine grössere moderne Vespa-Generation.
Sie verband die klassische Stahlkarosserie mit leistungsfähigeren Viertaktmotoren und einem Fahrwerk, das stärker auf höhere Geschwindigkeiten und längere Strecken ausgelegt war.
Die Granturismo ist vor allem deshalb wichtig, weil aus dieser Entwicklungslinie später die GTS-Familie hervorging.
Die Vespa GTS entwickelte das Konzept der Granturismo weiter und gehört zu den wichtigsten modernen Vespa-Modellfamilien.
Die GTS verbindet die typische Vespa-Stahlkarosserie mit leistungsstarken Viertaktmotoren, Automatikgetriebe und moderner Fahrwerks- und Bremstechnik.
Im Laufe ihrer Entwicklung kamen je nach Generation unter anderem elektronische Einspritzung, ABS, ASR-Traktionskontrolle, LED-Beleuchtung, digitale Instrumente, Smartphone-Konnektivität und Keyless-Systeme hinzu.
Die GTS wurde im Laufe ihrer Geschichte in verschiedenen Hubraum- und Leistungsstufen angeboten. Besonders bekannt wurden die grösseren 250- und 300-cm³-Versionen.
In der aktuellen Entwicklung wurde diese Linie mit einem neuen Motor der 310-cm³-Klasse weitergeführt.
Damit ist die moderne GTS technisch weit von einer handgeschalteten Rally oder PX entfernt – die gestalterische Verwandtschaft zur klassischen Vespa bleibt jedoch unverkennbar.
Primavera gehört zu den berühmtesten Namen der klassischen Smallframe-Geschichte. Jahrzehnte später griff Vespa diesen Namen für eine moderne Modellfamilie erneut auf.
Die moderne Primavera ist jedoch technisch keine Weiterentwicklung der klassischen VMA2T oder ET3. Der historische Name und verschiedene gestalterische Anspielungen stellen die Verbindung zur Vergangenheit her.
Unter der Karosserie arbeitet moderne Automatiktechnik mit Viertaktmotor beziehungsweise – je nach aktueller Ausführung – einem modernen Antriebskonzept.
Auch der Name Sprint stammt aus der klassischen Vespa-Geschichte. Die historische Vespa 150 Sprint gehört zur Largeframe-Familie.
Die moderne Sprint interpretiert den Namen neu. Sie ist technisch eng mit der modernen Primavera verwandt, setzt aber auf eine sportlichere Gestaltung.
Zu den auffälligen Designmerkmalen gehört insbesondere der kantiger beziehungsweise rechteckiger gestaltete Scheinwerfer – eine bewusste Abgrenzung zur runder gezeichneten Primavera.
Klassisch-runde Interpretation der modernen kompakten Vespa.
Sportlicher gezeichnete Schwester der modernen Primavera.
Mit der Vespa 946 schuf Piaggio eine besonders exklusive Interpretation des Vespa-Konzepts.
Bereits der Name stellt die Verbindung zum Geburtsjahr der Vespa her: 1946 → 946.
Das Design greift Elemente der frühen Vespa und insbesondere der ersten Prototypen auf, interpretiert sie jedoch mit modernen Materialien, Fertigungsmethoden und Technik.
Die 946 ist weniger als klassischer Alltagsroller gedacht, sondern verbindet Vespa-Geschichte, Design und hochwertige Ausführung.
Im Laufe der Jahre entstanden verschiedene limitierte und besondere Editionen.
Mit der Vespa Elettrica erreichte die technische Entwicklung einen Punkt, der 1946 kaum vorstellbar gewesen wäre: eine Vespa mit rein elektrischem Antrieb.
Die Elettrica wurde 2018 in die Vespa-Familie eingeführt. Äusserlich blieb sie klar als Vespa erkennbar, während der klassische Verbrennungsmotor durch einen elektrischen Antrieb ersetzt wurde.
Damit zeigt die Elettrica besonders deutlich, dass Vespa inzwischen weniger durch eine bestimmte Motorenkonstruktion definiert wird als durch Karosserie, Gestaltung und Fahrzeugkonzept.
Zwischen einer Vespa GTR, Primavera ET3 oder PX und einer heutigen Vespa liegen technisch Welten. Viele Systeme, die bei klassischen Vespa rein mechanisch funktionieren, werden heute elektronisch geregelt.
Bei modernen Vespa begegnen einem Bezeichnungen wie i-get und hpe. Sie kennzeichnen moderne Piaggio-Motorengenerationen, die auf Effizienz, Emissionen, Laufruhe und Leistung optimiert wurden.
Die grösseren GTS-Modelle verwenden leistungsstarke Motoren der hpe-Familie, während kleinere moderne Vespa je nach Modell und Generation mit i-get-Motoren ausgerüstet sind.
Die jeweiligen technischen Daten behandeln wir zusätzlich unter Vespa Technische Daten .
Beide tragen denselben Namen, vermitteln aber ein deutlich anderes Fahrerlebnis.
| Merkmal | Klassische Vespa | Moderne Vespa |
|---|---|---|
| Karosserie | selbsttragendes Stahlblech | weiterhin selbsttragende Stahlkarosserie |
| Getriebe | meist Handschaltung | Automatik / CVT |
| Motor | überwiegend Zweitakt | Viertakt oder Elektro |
| Gemischaufbereitung | Vergaser | elektronische Einspritzung |
| Bremsen | klassisch meist Trommel | Scheibenbremsen / ABS je nach Modell |
| Elektronik | gering | umfangreicher |
| Wartung | viel Mechanik selbst zugänglich | mehr Diagnose und Elektronik |
| Fahrerlebnis | mechanisch und unmittelbar | komfortabel und alltagstauglich |
Im Jahr 2026 feiert Vespa ihr 80-jähriges Bestehen. Seit der Vespa 98 von 1946 entstanden mehr als 160 Modelle und Modellvarianten.
Das aktuelle Spektrum zeigt, wie breit sich das ursprüngliche Konzept inzwischen entwickelt hat: kompakte Primavera- und Sprint-Modelle stehen neben den grossen GTS-Versionen und besonderen Design- beziehungsweise Jubiläumsmodellen.
Zum 80-jährigen Jubiläum entstanden besondere Jubiläumsmodelle und -editionen. Eine besondere Stellung nimmt die 2026 vorgestellte Vespa Edizione Ottantesimo ein.
Sie basiert auf der GTS 310 und wurde auf 1'946 nummerierte Exemplare limitiert – eine direkte Anspielung auf das Geburtsjahr der Vespa.
Damit schliesst sich der Kreis von der einfachen Vespa 98 der Nachkriegszeit bis zur technisch hochentwickelten modernen Vespa.